Manchmal vermisse ich die Zeit, in der ich noch nicht Vegan war.
Und mit dem Essen hat das nichts zu tun.
Ich vermisse es, Menschen nicht wegen ihrer Werte zu hinterfragen.
Frรผher war es mir egal, was jemand auf dem Teller hatte.
Heute frage ich mich manchmal, wie Menschen, die ich liebe und schรคtze, bei einem Thema, das mir so wichtig ist, so anders denken kรถnnen.
Und manchmal schafft das eine Distanz, die ich eigentlich gar nicht mรถchte.
Ich vermisse es, nicht รผberall das Leid zu sehen.
Frรผher war ein Glas Milch einfach ein Glas Milch. Ein Stรผck Kรคse einfach ein Stรผck Kรคse.
Heute sehe ich dahinter Geschichten, die ich nicht mehr ausblenden kann.
Und manchmal ist dieses Bewusstsein unglaublich schwer.
Ich vermisse diese Unbeschwertheit.
Die Zeit, in der ich vieles einfach hingenommen habe, ohne groร darรผber nachzudenken.
In der ich nicht stรคndig hinterfragt habe, was fรผr andere ganz selbsverstรคndig war.
Ich vermisse es, dass Essen einfach nur Essen war.
Keine Diskussionen bei Familienfeiern.
Keine Rechtfertigungen im Restaurant.
Keine Kommentare darรผber, warum ich etwas nicht esse.
Einfach gemeinsam am Tisch sitzen, ohne dass meine Entscheidung zum Gesprรคchsthema wird.
Manchmal war es einfacher, weniger zu wissen.
Nicht, weil die Welt damals besser war.
Sondern weil ich sie mit anderen Augen gesehen habe.
Weil ich mich nicht standig mit Dingen auseinandersetzen musste, die ich heute nicht mehr ignorieren kann.
Und trotzdem wรผrde ich mich immer wieder dafรผr entscheiden.
Ich vermisse nicht, Tiere zu essen.
Ich vermisse nicht, Teil von etwas zu sein, das ich heute nicht mehr mit meinen Werten vereinbaren kann.
Ich vermisse manchmal einfach die Leichtigkeit, mit der ich frรผher durchs Leben gegangen bin.
Und ich glaube, beides darf gleichzeitig wahr sein.
Text: Netzfund
๐ฆ๐ผ@tutmirgut