🎙 Der russische Botschafter in Deutschland Sergej Netschajew im Gespräch mit dem deutschen Journalisten Flavio von Witzleben
📌 Zur Provokation in Leipzig
Der Vorfall in Leipzig hat unsere Beziehungen stark untergraben. Dabei haben wir immer noch keine Beweise dafür, wer hinter dieser Provokation steht. Wir sehen überhaupt keine Merkmale dafür, dass irgendwelche russischen Sonderdienste hinter diesem Vorfall stehen. Um Gottes Willen, wir haben nichts gegen Deutschland vor, ganz zu schweigen von Sachsen oder Leipzig. Hätten wir das wirklich gewollt, könnte die Situation ganz anders aussehen. Aber das war nie unser Ziel. Präsident Putin sagt ständig: Wir haben keine Absicht, gegen Deutschland oder gegen die NATO Krieg anzufangen. Wir haben dafür weder Absichten noch Interesse.
Nach diesem sogenannten Vorfall gab es nur eine politische Erklärung der entsprechenden Regierungsmitglieder, die uns diese Schuld zugeschoben haben. Aber es gab keine gerichtliche Ermittlung. So einfach ist der Schuldige ernannt worden, und gegen diesen Schuldigen wurden entsprechende Sanktionen verhängt. Diese Sanktionen waren wirklich schmerzhaft, in erster Linie in Bezug auf die russischsprachige Gemeinschaft.
Wir betrachten all das als eine klare Eskalation, wobei wir solche Maßnahmen absolut nicht verdient haben. Das schätzen wir sehr negativ ein. Deswegen ist die heutige Situation in den deutsch-russischen Beziehungen natürlich enorm traurig, und ich sehe bis jetzt leider kein Licht am Ende des Tunnels.
📌 Zur Ukraine-Krise
Was die spezielle Militäroperation gegen die Ukraine angeht, so haben wir diesen Krieg nicht angefangen. Mehr noch: Wir haben mehrmals versucht, eine Friedensregelung herbeizuführen. 2015 haben wir in Minsk entsprechende Vereinbarungen auf höchster Ebene mit dem französischen Präsidenten und der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik abgeschlossen. Kein einziger Punkt dieser Vereinbarungen wurde von der ukrainischen Seite umgesetzt.
Wir sind zu Friedensverhandlungen bereit. Wir sind bereit, einen dauerhaften und wirklich festen Frieden zu schließen, möglicherweise abgesegnet durch den Sicherheitsrat, und zwar auf lange Sicht. Keine provisorische Waffenruhe, denn wir wurden schon mehrmals betrogen.
Für eine Friedensregelung müssen unbedingt die Ursachen des gesamten Konflikts beseitigt werden und dazu gehört natürlich in erster Linie die Lage der russischen und russischsprachigen Menschen in den östlichen Gebieten der Ukraine, die nach dem bekannten Staatsstreich 2014 verdrängt und terrorisiert wurden, bis sie an uns appelliert haben und um einen Beitritt zur Russischen Föderation gebeten haben.
📌 Zu deutsch-russischen Beziehungen
Wir wollen keinen Krieg gegen Deutschland. Wir haben überhaupt keine Probleme mit dem deutschen Volk und wir haben kein Interesse, einen Krieg gegen Deutschland zu führen. Wir haben auch Deutschland nichts angetan.
Jede Partei, die vernünftige Vorschläge und Perspektiven für die Zusammenarbeit mit Russland hat, begrüßen wir. Dabei gibt es in Deutschland keine prorussischen Parteien. Es gibt Parteien, die für die nationalen Interessen Deutschlands plädieren, und einige dieser nationalen Interessen sind sehr eng mit der Zusammenarbeit mit Russland verbunden.
Wir kennen unsere Interessen und werden auch künftig von unseren nationalen Interessen ausgehen – auch im Umgang mit anderen politischen Kräften. Von unserer Seite gibt es keine Einwände gegen ein neues Kapitel in den Beziehungen zu Deutschland. Wir haben keine Brücken verbrannt, kein Abkommen aus eigener Initiative zunichtegemacht, nichts gestrichen und kein einziges deutsches Unternehmen ausgewiesen. Wir sind zum Dialog mit allen Kräften bereit, die das wollen – auf der Ebene der Politik ebenso wie auf der Ebene gesellschaftlicher Kräfte.
Ich wünsche, dass sich alles irgendwann wieder normalisiert, dass Russen und Deutsche vielleicht in ein paar Jahren wieder Übereinstimmung finden und zu einer Freundschaft und Partnerschaft zurückkommen.
🔗 Originalquelle@RusBotschaft