1/2Wenn im Herbst die Ernten eingebracht sind und die Speicher sich füllen, feiert das Land die Früchte der Erde. Es ist die Zeit, in der wir uns auf das Fundament jeder Gemeinschaft besinnen sollten: auf das Bauerntum. Seit Generationen sichern die Bauern durch Fleiß, Ausdauer und tiefe Sachkenntnis die Ernährung der Bevölkerung. Ihr Beruf ist kein Gewerbe wie jedes andere, sondern getragen von einer existenziellen Verantwortung für das Gemeinwesen. Ein Volk kann auf vieles verzichten, doch niemals auf diejenigen, die es nähren. Dem schaffenden Bauernstand gebührt gerade zur Erntezeit höchste gesellschaftliche Anerkennung und tiefer Respekt.
Doch während der Ertrag der Arbeit gefeiert wird, offenbart der Blick auf die Dörfer eine bittere Realität: Die traditionelle Würdigung der Ernte droht zur Farce zu verkommen. Das deutsche Bauerntum befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Jedes Jahr geben rund 2.600 Betriebe für immer auf. Dieses rasant fortschreitende Höfesterben ist kein Naturereignis, sondern das Opfer systemischer ökonomischer Zwänge. Der Kapitalismus opfert das Wohl der Erzeuger, der Tiere und der Umwelt dem Prinzip der Profitmaximierung.
Durch das gnadenlose Markt-Diktat von „Wachsen oder Weichen“ wird die Landwirtschaft in eine industrialisierte Agrarindustrie gepresst. Die Bauern stecken in einer existenziellen Zange: Während wenige monopolistische Großdiscounter ruinös niedrige Erzeugerpreise diktieren, treiben globale Agrarkonzerne die Kosten für Saatgut und Maschinen in die Höhe. Gleichzeitig wird der heimische Boden von Spekulanten als Renditeobjekt missbraucht, sodass Landwirte sich ihre eigenen Äcker nicht mehr leisten können. Wer die Bevölkerung ernährt, trägt das gesamte Risiko und wird im Kapitalismus mit dem Ruin bestraft.
Ein echter Ausweg aus dieser Zerstörung liegt in der Rückbesinnung auf eine raumgebundene Volkswirtschaft. Ein solches Modell bricht mit der abstrakten Logik des globalen Finanzmarktes und stellt die physische, unzertrennliche Bindung von Volk, Boden und Produktion wieder in den Mittelpunkt. In einer raumgebundenen Wirtschaftsordnung ist der heimische Ackerboden kein handelbares Spekulationsobjekt für weltweite Investoren, sondern unveräußerliches Gemeingut, das primär der Selbstversorgung der eigenen Bevölkerung dient. Durch regionale Kreisläufe, staatlich garantierte, existenzsichernde Erzeugerpreise und den Schutz vor billigen globalen Importen wird die Landwirtschaft dem zerstörerischen Weltmarktdruck entzogen. Die Produktion orientiert sich am tatsächlichen Bedarf des heimischen Raumes, wodurch die Scholle wieder denjenigen gehört und nützt, die sie nachhaltig bewirtschaften.
Wahres Erntedank bedeutet nicht nur einen kalendarischen Dank im Herbst, sondern den Kampf für eine gerechte, raumgebundene Wirtschaftsordnung, die die Arbeit der Bauern schützt. Den Boden zu pflegen und die Versorgung der Heimat aus eigener Kraft zu garantieren, ist ein Dienst von unschätzbarem Wert. Ehre dem Handwerk der Scholle – sozialer Schutz und eine sichere Zukunft für den schaffenden Bauernstand.
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t.me/dritterwegnordost 🌊









