1/2fĂŒr Unternehmen kostenlos mitzuarbeitenâ
Ich beobachte unsere Digitalisierung schon eine ganze Weile. Und grundsÀtzlich finde ich technischen Fortschritt gut. Vieles ist schneller, einfacher und bequemer geworden.
Aber manchmal stehe ich irgendwo vor einem Bildschirm, tippe, scanne, bestÀtige, lade hoch
und denke mir:
Moment mal, wer arbeitet hier eigentlich gerade fĂŒr wenâ
Im Supermarkt scanne ich meine Lebensmittel selbst und bezahle sie anschlieĂend natĂŒrlich trotzdem zum vollen Preis.
Bei der Bank erledige ich Ăberweisungen selbst, verwalte meine Konten online und bekomme immer seltener einen Menschen zu Gesicht.
Am Flughafen checke ich selbst ein.
Pakete frankiere ich selbst, drucke Etiketten
aus und bringe sie zur Abholstation.
Retouren melde ich online an.
Bei Behörden fĂŒlle ich Formulare aus, scanne Unterlagen, lade Nachweise hoch und hoffe anschlieĂend, dass ich irgendwo den richtigen Button gedrĂŒckt habe.
Und wenn etwas nicht funktioniertâ
Dann wĂŒrde ich gerne einen Menschen fragen.
Stattdessen begrĂŒĂt mich hĂ€ufig:
âHallo, ich bin dein virtueller Assistent.â
Dann darf ich mich durch MenĂŒs klicken, Fragen beantworten, die ĂŒberhaupt nichts mit meinem Problem zu tun haben, und irgendwann lande ich bei den berĂŒhmten FAQ.
NatĂŒrlich hat diese Entwicklung auch Vorteile.
Ich möchte vieles davon gar nicht mehr missen. Online-Banking um Mitternacht, schnell einen Flug einchecken oder ein Paket rund um die Uhr abholen zu können, ist bequem.
Aber Digitalisierung sollte dem Menschen Arbeit abnehmen und nicht einfach Arbeit auf ihn ĂŒbertragen. Genau darĂŒber dĂŒrfen wir meiner Meinung nach einmal nachdenken.
Denn Unternehmen sparen durch Automatisierung an manchen Stellen Personal und Prozesse. FĂŒr uns Kunden bedeutet dieselbe Entwicklung aber hĂ€ufig: Wir ĂŒbernehmen einen Teil dieser Arbeit selbst. Nur nennt es niemand Arbeit.
Es heiĂt dann âSelf-Serviceâ.
Und vielleicht wĂ€re das alles halb so schlimm, wenn gleichzeitig ĂŒberall die Preise sinken wĂŒrden oder wenigstens ein persönlicher Ansprechpartner erreichbar bliebe, wenn man ihn wirklich braucht.
Doch genau dieser menschliche Kontakt verschwindet an vielen Stellen immer mehr.
Und das finde ich eigentlich viel bedenklicher als das Scannen meiner Gurke.
Denn am Ende geht es nicht nur um ArbeitsablÀufe.
Es geht um Menschen, um die Ă€ltere Dame, die vor einem Automaten steht und nicht weiĂ, wie es weitergeht.
Um jemanden ohne Smartphone oder mit wenig Erfahrung im Internet.
Um den Menschen, der ein kompliziertes Problem hat, das sich eben nicht mit âDrĂŒcken Sie die 1â lösen lĂ€sst.
Fortschritt bedeutet fĂŒr mich nicht, möglichst viele Menschen durch Bildschirme zu ersetzen.
Fortschritt bedeutet, Technik dort einzusetzen, wo sie unser Leben wirklich leichter macht und den Menschen dort zu behalten, wo Menschlichkeit gebraucht wird.
Ich habe nichts gegen Digitalisierung, ganz im Gegenteil, aber manchmal frage ich mich schon schmunzelnd:
Wie viele unbezahlte Nebenjobs kommen eigentlich noch dazuâ
Vielleicht darf ich demnĂ€chst im Restaurant selbst kochen, anschlieĂend kassieren und auf dem Heimweg noch schnell den Bus fahren.
Technik darf uns unterstĂŒtzen.
Aber der Mensch sollte dabei niemals wegrationalisiert werden.
LOVEWRITE âŁïž
Werner SchrÀgle
â Geschichten, Gedanken & das, was dazwischen liegt:
đ° Es war einmal,...









